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Schwelle - 1. April - 14. Mai 2011


Marion Strunk, embroidered images

Nora Fehr, Letztereisedecke und Urnen aus Filz

Paloma Ayala, Zeichnungen

Isabella Cianciarulo, Fotografien / Schafregal "Molly"

Michael Wyss, Mischtechnik

Blicken und Tasten
Die Bildarbeit von Marion Strunk bringt Fotografie und Sticken zusammen: Fotofäden und Fadenfotos - embroidered images. Zum Thema der Ausstellung zeigt sie verschiedene fotografische Szenen - Stadtlandschaften, Gartenlandschaften - in die sie stickend eingegriffen hat. Die Bildarbeit nimmt die Themen Irritation, Original und Verwandlung auf. Der konkret berührbare Faden in der Fotografie wird im Unterschied zum fiktiven Bild zum realen Moment in der Wahrnehmung. Eine Schwellensituation von Blicken und Tasten.

Mensch und Tier
Paloma Ayalas grossformatige Zeichnungen gehören zur Werkgruppe El final de la madeja (Das Ende des Knäuels). Transformationen führen zu Veränderungen. Veränderungen am Körper lösen innere Veränderungen aus. Die Identität wird in Frage gestellt. Nicht plastische Chirurgie interessiert die in Mexiko geborene Künstlerin, sondern die Revision der conditio humana, also der Bedingungen des Menschseins und der Natur des Menschen. In der zeichnerischen Verbindung von menschlichen Körpern mit Tierkörpern sucht sie nicht Mischung sondern Kontrast.

"Those gothic monster myths that arose out of the late Romantic era, such as the vampire, the Wolfman, or Frankenstein, are like phobic allegories of the primal fear culture feels as the body is increasingly perverted, corrupted, or mutated by the unknown, intangible forces of society, science, technology, medicine, or in other words, humanity itself."
(aus einem Interview mit Kiki Smith, Contemporary Art Journal)

Leben und Tod
Kreisläufe, Übergänge, Werden und Vergehen beschäftigen Nora Fehr in ihrem künstlerischen Schaffen seit jeher. Sie ist fasziniert von den Sagen und Bestattungsritualen anderer Völker und bedauert unsere heutige Armut und Hilflosigkeit im Umgang mit dem Tod, der doch unser aller Zukunft ist. Früh begann sie mit dem Entwerfen von Grabsteinen, erlernte das Bildhauerhandwerk und schuf seither Grabmäler für Menschen und für Tiere. Nora Fehr entwickelte auch die Idee eines "Reisebüros für die letzte Passage" und kreiert Kunstobjekte, die – wenn die Zeit gekommen ist – auch als letzte Hülle dienen. Die Urnen und Reisedecken aus Filz werden irgendwann eins mit ihrem Inhalt und mit ihrer Umgebung. Neues entsteht.

Michael Wyss' 1996 in Rom entstandene siebenteilige Werkgruppe basiert auf Caravaggio’s Gemälden Grablegung, Madonna di Loreto und Narziss. Durch Spiegelung, Drehung und Verschmelzung verwandeln sich drei Einzelbilder zu einer Erzählung, die sich in Form eines römischen Bogens zwischen Werden und Vergehen spannt. Im Hintergrund von Pellegrino ist zusätzlich Luxe, calme et volupté von Matisse auszumachen. Ein wahrer Reigen an Assoziationen, die sowohl zum Peripher-Monatsthema Schwelle wie auch zur Osterzeit passen.

Der zu Leben und Tod passende Ausstellungskatalog "Six Feet Under" vom Kunstmuseum Bern sowie "Ein kleines Totenbuch" von Martin Frank (Edition Dino Simonett) liegen zum Kauf auf.

Tagtraum und Gegenwart
In ihrer Arbeit "in sospeso" ("In der Schwebe") interessieren Isabella Cianciarulo klare Kompositionen, einfache Formen und karge Arrangements. Die Motive handeln vom Werden und Vergehen der Dinge. In der Gestaltung wird alles Unnötige weggelassen. Durch den nüchternen Aufbau kommt die innere Kraft des Dargestellten zur Geltung, nichts lenkt von der Wahrnehmung ab. Ihr Ziel ist, einen visuellen Impuls gegen die Schnelllebigkeit zu setzen. Dadurch schafft sie Raum und Zeit für individuelle Resonanz. Ihr Fotoapparat wird zum Achtsamkeitsbarometer. Sich Auflösendes, sich Veränderndes, Schatten, Tragendes. Ein blasser Sonnenstrahl trifft auf die Seeoberfläche, ein knorriger Ast sucht nach Halt, Wasser umfliesst den moosbewachsenen Stein. Eine Art Schwebezustand stellt sich ein, eine Schwelle zwischen Tagtraum und Gegenwart.

Im Wasser sich auflösendes Denken / Der Fischer sucht nach seinem Anker / Ob der Atem ausreicht?
(Isabella Cianciarulo, 2011)

Ausserdem: Das Schafregal "Molly" und die Keiltische "Tabula Rasa" aus Karton kommen von Stange Design, Berlin (Vertrieb Schweiz: kartonbett.ch in Biel). / Wie jeden Monat passt Adele Bachmann ihre Wohninsel thematisch an, diesmal lässt sie sich vom "Letzten Abendmahl" inspirieren. / Speziell zur Osterzeit stellt Janeth Berrettini die Selbstpflückbilder "Wilder Has" vors und ins Peripher. / Im Schaufenster: Unser täglich Bild von Germain Egli.


Vernissage: in Anwesenheit der KünstlerInnen, Freitag, 1. April 2011, 19 bis 22 Uhr

Begegnung:
Auf der Schwelle zum Tod (vom Sterben reden) - mit Nora Fehr, Michael Wyss und Gudrun Orlet, Freitag, 13. Mai 2011, 19 Uhr

Die Ausstellung endet am 14.5.2011. Bitte beachten Sie unsere Agenda.


Stichworte zu Namen:

Paloma Ayala (* 1980, Matamoros, Tamaulipas, Mexiko) schloss ihr Studium 2002 mit einem BFA an der Universität von Monterrey, Mexiko ab. Von 2005 bis 2010 arbeitete sie als Künstlerin und Lehrerin in Rochester, New York, bis sie in die Schweiz übersiedelte. Von Würenlingen aus engagiert sie sich im Kunstbereich und plant Integrations- und Cultural Diversity-Workshops mit Menschen aus Lateinamerika. www.palomaayala.info

Isabella Cianciarulo (* 1975, Zürich) hat sich in den Bereichen Wort und Bild aus- und weitergebildet. Buchhändlerlehre, Gruppe autodidaktischer Fotografinnen und Fotografen, Assistenzen im Bereich Werbefotografie, ein Trimester an der UCLA, Drehbuch-, Sachbuch- und Kinderbuchautorin, Onlineredaktorin bei Keystone und freie Fotografin sind einige ihrer Stationen. Sie lebt in Zürich. www.cianciarulo.com

Nora Fehr, 1948 in Zürich geboren, eröffnet nach Studienaufenthalten im Ausland 1982 ihr eigenes Atelier für Gestaltungen. Neben den Schwerpunkten Retouche, Illustration und Land Art experimentiert sie mit so unterschiedlichen Materialien wie Holz, Gips oder Filz und erlernt das Steinbildhauen bei Thomas Ehrler. Nora Fehr lebt und liebt in Zürich. www.norafehr.ch

Marion Strunk, geboren im Bonner Rheinland, lebt in Schlieren/Zürich. Sie ist bildende Künstlerin, Kulturwissenschaftlerin und Professorin an der Zürcher Hochschule der Künste. Sie hat in zahlreichen Galerien, Museen und Kunsträumen in Deutschland, den USA und der Schweiz ausgestellt, zuletzt im Substitut in Berlin (mit Thomas Hirschhorn, Walter Pfeiffer, Christine Streuli, Costa Vece u. a.), aktuell in der Kunsthalle Faust in Hannover (Rag Revolution – Aufstand! der nichtsnutzigen Textilien) und ab dem 29. April im Museum Bellerive (Neue Masche - Gestrickt, gestickt und anders). www.marionstrunk.ch

Michael Wyss (* 1952, Luzern) ist Künstler, Prosaist und Erzähler. Nach Studien in Berlin kehrt er in die Schweiz zurück, bezieht wechselnde Ateliers und stellt regelmässig aus. 1996 ist er Gast im Istituto Svizzero di Roma, wo die nun gezeigten Bilder entstanden. Nach Unterbrüchen seit 2006 wieder in Zürich, arbeitet er vom Atelier Binz 39 aus. www.wyss-art.ch

Siehe auch Agenda und Inventar

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